16. Asphaltkapellenfest - Sonntag 6. Mai 2018. 14 Uhr Andacht mit anschließendem Fest

 

Wilhelm Koch nimmt mit seinem Asphalthaus die tradierten Strukturen des Sakralen auf: die Hausform, zeichenhafte Lichteffekte, die Dreizahl; ergänzt sie mit der spezifischen Assoziation der Schwärze und fügt antithetisch funktional besetzte Alltagsmaterialien und -zeichen ein: Asphalt und Ampel. Asphalt, griechisch Erdpech, steht für die unbewußt-dunkle Kraft, welche aus der Erde fließt.
Aus der Hitze, von der noch das Schwarz spricht, entstand dieses kleine monumentale Haus und weist an der Stirnseite der Giebelfassade als einziges zusätzliches Element drei mundgeblasene Gläser in Rot, Gelb und Grün auf: Stehen, Achtung, Gehen, Achtung, Stehen. Transformiert: Tod, Tor, -Leben oder Sterben, Wendepunkt, Geburt; Actio, Null, Passio. Im Gegensatz zur Ampel an der Straße, werden die drei Farben von der Sonne beleuchtet, sie verschmelzen hierin zum Zeichen für Werden und Vergehen. Die lineare Zeit des rituellen Wechsels von Rot, Gelb und Grün der Straßenampel transformiert zur Gleichzeitigkeit, zur Durchdringung und letztlich Gleichheit dieser in der menschlichen Welt gegensätzlichen und sich widersprechenden Ebenen von Leben und Tod. Werden und Vergehen, Rot, Gelb, Grün sind nicht hinterfragbar, sie sind! Die Sakralität des Raumes bezieht sich nicht auf den Verlauf der Menschheitsgeschichte, was das explizite Thema des Christentums ist, sie verdichtet Sein, die Anwesenheit, sie bestätigt: es ist so wie es ist. Und darin bekommt das Asphalthaus eine Beziehung zu den hermetischen Heiltumsräumen des Judentums, der Bundeslade oder der islamischen Kaaba in Mekka. Mit der Ampel im schwarzen Haus gelingt Wilhelm Koch ein absoluter Raum, ein Konzentrat, ein Abstraktum. Und mehr noch: Wer hier IST und wieder in die Welt tritt, wird an jeder Ampel mit der Erfahrung dieses Ortes und mit dem Geheimnis des SEINS konfrontiert. Jedes Stehen und Gehen/Fahren, von der Ampel signalisiert, ist auf diesen Raum bezogen. Jede Benutzung der Ampel gehört zu einem postreligiösen Kult des Verkehrszeitalters.
Dr. Markus Wimmer, Landshut
Die Asphaltkapelle wurde anlässlich der Oberbayerischen Kulturtage in Altötting 2001, konzipiert und errichtet. Seit Juni 2002 steht sie am -Waldrand bei Etsdorf/OPf im Landkreis Amberg-Sulzbach.