"Kreuze Weg" Etsdorf

Kreuze Weg Etsdorf – Kultur auf der Flur
Kostbare Zeugnisse unserer Vorfahren finden in Etsdorf eine wertvolle Fortsetzung in das 21. Jahrhundert. Auf dem Weg zur Asphaltkapelle entsteht seit dem Jahr 2009 der sogenannte "Kreuze Weg" mit spannend und ungewohnt gestalteten Künstlerkreuzen. Der Brauch, am Wegesrand Zeichen des Glaubens, des Andenkens, der Dankbarkeit, des Mahnens oder der Freude zu setzen, blieb über unzählige Generationen seit dem Mittalter erhalten. Damals wie heute haben diese Kleindenkmäler für uns Menschen große, persönliche Bedeutung. Sie erzählen von den Schicksalen Einzelner, von Familien, Gemeinden oder einer ganzen Region. Zwischen 30 000 und 40 000 Flurdenkmäler aller Art gibt es nach Schätzung des "Arbeitskreises für Flur- und Kleindenkmalforschung in der Oberpfalz e.V.“ in der Oberpfalz. Diese Tradition ins Heute zu führen, ist Herausforderung und Geschenk.
Wilhelm Koch und der Verein der Freunde der Glyptothek Etsdorf e.V. konnten bereits 14 Kunstschaffende, aus der Heimat ebenso wie international, und in diesem Jahr mit Christian Schnurer einen weiteren namhaften Künstler gewinnen, die das zentrale christliche Sinnbild in einer zeitgenössischen Formensprache und Aussagekraft qualitätvoll umsetzen. In ihrer individuellen Konzeption bilden die Werke einen großen Bogen intensiver Symbolik ab, von göttlicher Barmherzigkeit bis zur zeitkritischen Auseinandersetzung mit dem Schöpfungsgedanken inmitten einer herrlichen Landschaft, die von den Landwirten für die zukünftigen Generationen gepflegt und erhalten wird. Symbole helfen uns, Zugang zu etwas zu schaffen, ohne dass wir dafür Worte finden müssen. ...
Die Marterl früherer Zeiten waren oft einfache Volkskunst, in der die Zweifel und Hoffnungen der Menschen Ausdruck fanden. Sie waren dennoch ebenso zeitgenössisch wie die Kreuze auf dem Weg zur Asphaltkapelle. Jede Epoche spricht mit ihrer Sprache zu den Menschen. Schönheit definiert sich als Wahrnehmung, gesehen mit den Augen und gefolgt von der individuellen Erkenntnis im Bewusstsein des Betrachters. Es ging und geht also in den Zeugnissen am Wegesrand nicht um „schöne Kunst“, sondern um die Kraft, mit der die DENK-mäler das starke Zeichen des Kreuzes jeweils neu interpretieren.
Die Stationen am Kreuze-Weg werden für zukünftige Generationen von ebenso großem kunst- und kulturhistorischem Wert sein wie es die Marterln unserer Eltern- und Großelterngenerationen für uns sind. Doch schon heute sind sie eine bereichernde Kultur auf der Flur, die Einheimische wie Gäste aus dem weiten Umkreis einlädt - einen Augenblick innezuhalten, ein Gebet zu sprechen, sich an die Menschen und ihre Geschichte dahinter zu erinnern oder einfach dem Leben einen Moment Achtsamkeit zu schenken.
Dr. Maria Baumann, Diözesankonservatorin, Leiterin Kunstsammlungen des Bistums Regensburg